‹Schauspieler in Residence› 2019 - Ulrich Noethen

Ulrich Noethen ist der sechste Schauspieler in Residence beim Literatur- und Musikfest ‹Wege durch das Land›. An drei Tagen wird er auf Gut Holzhausen Texte sprechen, die er für diesen Anlass ausgewählt hat. Das Literatur- und Musikfest zeichnet mit dieser Position einen für den deutschsprachigen Raum herausragenden Schauspieler aus und schafft zugleich der Sprache und der Sprachgestaltung einen besonderen Raum.

Diese Stimme! Vielleicht ist es die Stimme, die die Kunst des Ulrich Noethen am besten charakterisiert. Weich ist sie und warm und fein vibrierend und von einer Silbe auf die andere kann sie etwas Scharfes, Hartes bekommen. Dieser Stimme kann man endlos zuhören. 67 Stunden dauert seine Einlesung von Tolstois ‹Krieg und Frieden›. 2017 ist ihm für die Lesung von Friedrich Anis Roman ‹Nackter Mann, der brennt› der Deutsche Hörbuchpreis zugesprochen worden. Noethen ‹profiliere den komplexen Charakter des Protagonisten so präzise, dass dieser ihm näher komme, als ihm lieb sei›, heißt es in der Jurybegründung. Überhaupt scheint der in München als Ulrich Schmid geborene Noethen auf komplexe Charaktere spezialisiert zu sein. Das war schon 1989 so, als er in Köln Frank Castorfs Hamlet war, und das geht bis heute in unzähligen Film- und Fernsehrollen so weiter: von Herrn Taschenbier in den Sams-Filmen über Heinrich Himmler in ‹Der Untergang› zu Helmut Halm in ‹Ein fliehendes Pferd› und dem Vater von Anne Frank. Noethen verleiht seinen Figuren eine Tiefe und Glaubwürdigkeit, die beim Betrachter noch lange nachhallt. Dabei ist für ihn jedes Aufheben um seine Kunst oder seine Person unnötig. ‹Ich halte ja dieses Interesse an Schauspielern grundsätzlich für übertrieben. Es steht auch im Gegensatz dazu, dass, wenn es schiefgeht, immer andere von der Kritik angegriffen werden, die Regie, die Drehbuchautoren, die Kamera. Die Schauspieler werden heute für das Scheitern nicht verantwortlich gemacht. Ich denke, der Beruf des Schauspielers könnte ruhig wieder etwas gefährlicher werden›, sagt Noethen in einem Interview mit der Süddeutschen Zeitung.
Ulrich Noethen ist in einem Augsburger Pastorenhaushalt als jüngstes von fünf Kindern aufgewachsen, war an Theatern in Freiburg, Köln und Berlin engagiert und steht seit über 20 Jahren für Film und Fernsehen vor der Kamera. ‹Natürlich wird nicht alles erspielt. Viel bringt man ja auch als Persönlichkeit mit. Dagegen kann ich mich auch nicht mehr wehren. Das ist so.› Und das ist auch gut so.
Noethen, der schon oft Gast bei ‹Wege durch das Land› war, schafft als Sprecher eine einzigartige Verbindung zwischen Sprache und Musik und wir freuen uns sehr, dass er eigens für das Festival drei Abende konzipiert hat, die im Besonderen von der literarisch-musikalischen Befruchtung leben werden. Vom 26. bis 28. Juli wird er gemeinsam mit Freunden und Weggefährten auf Gut Holzhausen zu erleben sein.

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