Leonardo Manifattura & Gräflicher Park

Sonntag, 14. Juli 2019 - 17:00


Leonardo Manifattura & Gräflicher Park − Lange Straße 127 − 33014 Bad Driburg


Es lesen und konzertieren





Leonardo Glaswerkstatt





Lesung


Ulrike C. Tscharre 

Sylvia Plath Die Glasglocke




Konzert


Sebastian Reckert (Verrophon)

Johann Gottlieb Naumann Sonate Nr. 4 & Andantino Nr. 5

Carl Leopold Röllig Kleine Tonstücke Nr. 9 & Nr. 1

Johann Christian Müller Adagio in As-Dur

Ernestine von Metzingen-Gessau Adagio

Carl Leopold Röllig Kleine Tonstücke Nr. 14

Johann Abraham Peter Schulz Largo

Wolfgang Amadeus Mozart Adagio für Glasharmonika KV 356

Johann Friedrich Reichardt Grazioso in G-Dur

Ludwig van Beethoven Melodram aus ‹Leonore Prohaska›

Fred Schnaubelt Petite Impression




Gang zum Gräflichen Park und Pause





Lesung


Elias Hirschl Hundert schwarze Nähmaschinen




Konzert


Moritz von Oswald (Electronics)

Nils Petter Molvær (Trompete)

Improvisationen und Strukturen zu 1/1




Die Glasglocke


In fünfter Generation wird die Firma Glaskoch, deren bekannteste Marke Leonardo ist, von der Gründerfamilie geführt. In der alten Glasbläserwerkstatt der Firma ist ‹Wege durch das Land› zu Gast und widmet sich diesem besonderen Material. Der Verrophonist Sebastian Reckert zeigt die ganze Bandbreite an Klängen des Instruments. Das Konzert beginnt mit den ersten Stücken, die für Glasharmonika überliefert sind, und endet in der tonalen Auflösung der Moderne. Dabei werden Werke von Mozart und Beethoven, aber auch von der unbekannten Komponistin Ernestine von Metzingen-Gessau gespielt. Bei Sylvia Plath steht das Glas für große innere Zerbrechlichkeit. Ihr Roman ‹Die Glasglocke›, aus dem die Schauspielerin Ulrike C. Tscharre lesen wird, beschreibt die Stimmungslage junger Frauen und ihre Zerrissenheit angesichts kaum zu schaffender gesellschaftlicher Anforderungen: ‹Eingezwängt wie ein totes Baby in der Glasglocke erscheint das Leben wie ein böser Traum›. Vier Wochen nach Erscheinen des Buches nahm sich die Autorin das Leben.

Von der Glasbläserwerkstatt gehen die Besucherinnen und Besucher in den Gräflichen Park Bad Driburg. Ende des 18. Jahrhunderts verbrachte Friedrich Hölderlin hier mehrere Wochen mit seiner Geliebten Susette Gontard und beendete das ihr gewidmete Versepos ‹Hyperion›. An diesem literaturhistorisch bedeutenden Ort wird der 1994 geborene Autor Elias Hirschl seinen Roman ‹Hundert schwarze Nähmaschinen› vorstellen. Das Buch erzählt aberwitzig von den Erlebnissen eines Zivildienstleistenden in einer betreuten Wohneinrichtung für psychisch Kranke und schlägt so einen Bogen zu Hölderlin, der bei seinen Zeitgenossinnen und -genossen als ‹wahnsinnig› galt und zwangsbehandelt wurde. Die hölderlinschen Räume der Poesie werden durch den unverwechselbaren Sound des Elektronik-Musikers Moritz von Oswald und des Trompeters Nils Petter Molvær musikalisch erschlossen. Aus der Symbiose der beiden Musiker entstehen einzigartige Klanglandschaften, mal cineastisch, mal minimalistisch verdichtet. Als Noirmusik, eine Phantommelodie, die im Kopf bleibt, wenn die Musik bereits verhallt ist, als Musik für Bars, für Nachtfahrten im Zug oder auf der menschenleeren Autobahn, beschreibt von Oswald das gemeinsame Album ‹1/1›.

 

Pause ca. 18.30 Uhr |  Ende ca. 21.30 Uhr

55 | 40 | Studentenkarte 15 €