Schloß Detmold

Freitag, 30. Mai 2014 - 18:00


Schloss Detmold − Schlossplatz 1 − 32756 Detmold


Es lesen und konzertieren





Lesung


Marcel Beyer

Tigerschminke. Der Blauhäher Gedichte




Konzert


Kölner Streichsextett

Johannes Brahms Streichsextett B-Dur Nr. 1, op. 18




Neu gelesen


Robert Stadlober

Heinrich von Kleist Die Herrmannsschlacht




Konzert


Kölner Streichsextett

Franz Schubert Streichquintett C-Dur, op. 163, D 956

 

Demetrius Polyzoides Violine

Elisabeth Polyzoides-Baich Violine

Bernhard Oll Viola

Rémy Sornin-Petit Viola

Uta Schlichtig Violoncello

Birgit Heinemann Violoncello


Pause 19.30, Ende ca. 21.45 Uhr

Inkl. Speisen 50 / 40 €




‹Die Luft, du weißt, hat Ohren›


Brahms, Grabbe und Kleist treffen sich im Detmolder Schloß. Johannes Brahms unterrichtete auf Empfehlung von Clara Schumann Prinzessin Friederike zur Lippe in den Jahren 1857 bis 1859. Im Dezember seines letzten Detmolder Aufenthaltes begann er...


Brahms, Grabbe und Kleist treffen sich im Detmolder Schloß. Johannes Brahms unterrichtete auf Empfehlung von Clara Schumann Prinzessin Friederike zur Lippe in den Jahren 1857 bis 1859. Im Dezember seines letzten Detmolder Aufenthaltes begann er mit der Ausarbeitung des 1. Streichsextettes. ‹Klarheit, schönes Ebenmaß und leichte Faßlichkeit› (Hans Gál) zeichnen das Stück aus, das ein Höhepunkt der romantischen Streichermusik ist und zu den beliebtesten Kammermusikwerken zählt. Das Kölner Streichsextett pflegt neben der klassisch-romantischen Sextettliteratur auch die musikalische Avantgarde. ‹Wenn ein Bewohner des Mondes auf die Erde fiele, er würde sich zu uns anderen ungefähr so fremd verhalten, wie mein irrender Ritter der Poesie›, schrieb Karl Immermann und meinte damit den genialen, in Detmold so unglücklichen Christian Dietrich Grabbe, der erste Surrealist vor mehr als 200 Jahren, dessen Domäne der schnelle Wortwechsel, Comedy und Monumentalcollage sind. Der Lyriker, Erzähler und Essayist Marcel Beyer jongliert in seinem Zyklus zu Grabbe mit dem Perspektivenwechsel und fragt, wer der Beobachter und wer der Beobachtete ist. Er bleibt mit seinem Arsenal aus Kinderstube und Zoo in der exotisch anmutenden Welt der Fremde, mit der Grabbe so großzügig umging. Marcel Beyer erhielt bedeutende Literaturpreise, 2014 wurde er für den International IMPAC Dublin Literary Award nominiert. Heinrich von Kleist schrieb sein Drama vor Ausbruch der Napoleonischen Kriege, es wurde erst posthum von Ludwig Tieck herausgegeben, der urteilt, das Schauspiel sei ‹ganz für die damalige unglückliche Lage Preußens gedichtet›. Daß Herrmann kein Held ist, mit dem man sich in seiner Widersprüchlichkeit, List und Inhumanität identifizieren kann, liegt an Kleists bewußt überzogener und ins Unbedingte gesteigerter Charakterisierung seiner Hauptperson. Robert Stadlober spielt u. a. am Schauspielhaus Hamburg, in Klagenfurt und am Wiener Burgtheater, dem Kinopublikum ist er seit seiner Darstellung in Leander Haußmanns ‹Sonnenallee› bekannt.