Der Protagonist in Thomas Melles neuesten Roman »Haus zur Sonne« hat nur noch einen Wunsch: Sterben. Nach Jahren der Krankheit, tiefe Depressionen und exzentrische Manien, bewirbt er sich für ein staatlich finanziertes Programm: Im »Haus zur Sonne« verbringt er die letzten Wochen vor seinem Suizid; jeder Wunsch wird ihm bis dahin erfüllt, so banal oder absurd er auch klingen mag. Ob Lottogewinn, eine Reise zum Mond oder einfach eine lange Umarmung – den Simulationen des Personals im »Haus zur Sonne« sind keine Grenzen gesetzt. Bloß, was wünscht sich einer, der sterben will?
Ebenfalls Chronik eines zerrissenen Lebens ist »Lenz« von Georg Büchner. 1839 in der Zeitschrift »Telegraph für Deutschland« erschienen, begleitet man dort Jacob Lenz auf seiner Reise durch die elsässischen Wälder, wo er seinen Gedanken nachhängt. Zwischen höchsten Glücksgefühlen und völliger Erschöpfung zieht er einsam und allein durch die Landschaften, immer mehr mit der Natur verschmolzen: »Anfangs drängte es ihm in der Brust, wenn das Gestein so wegsprang; es drängte in ihm, er suchte nach etwas, wie nach verlornen Träumen«. Tiefste Einsamkeit spricht aus diesen Texten und sickert durch die Seiten. Wie einen Umgang finden, mit diesem alles überlagernde Gefühl des nirgends Reinpassens, nirgends Ankommens? Zwei Männer, durch mehr als zwei Jahrhunderte getrennt, begeben sich auf eine Reise zu sich selbst, tief hinein in das eigene Innere.
Der aus Filmen wie »Der goldene Handschuh« oder »Das schweigende Klassenzimmer« bekannte Schauspieler Jonas Dassler wird uns auf dem Gut Holzhausen mitnehmen in die emotionale Gedankenwelt des Lenz und die kargen und verschneiten Gebirgsketten vor unseren inneren Augen aufsteigen lassen. Für eine hervorragende musikalische Begleitung der Lesung sorgt das preisgekrönte Duo Aliada, das mit seinem atmosphärischen und ausdrucksstarken Sound aus Akkordeon- und Saxophonspiel die Geschichten der beiden Figuren einfängt.
Parken
Rampe
Toilette