Hätte Shakespeare eine Schwester gehabt, ebenso begabt wie er, wie wäre es ihr ergangen? Welche Widerstände mussten Jane Austen oder die Brontë-Schwestern überwinden? 1928 aus zwei Vorträgen am ersten Frauencollege Großbritanniens an der Cambridge Universität entstanden, ist Virginia Woolfs weltberühmter Essay »Ein Zimmer für sich allein« ein leidenschaftliches Plädoyer für weibliche Kunst und kreative Freiheitsräume: »Eine Frau braucht Geld und ein Zimmer für sich allein, wenn sie Bücher schreiben möchte«. Damals schon große Wellen schlagend, war Virginia Woolf mit vielen Thesen und Überlegungen in diesem Essay ihrer Zeit voraus. Aus dem Essay lesen wird Schauspielerin Imogen Kogge.
Daniela Dröscher, bekannt durch ihre Bestsellerromane »Lügen über meine Mutter« und zuletzt »Junge Frau mit Katze« wirft in ihrer diesjährigen »Rede an die Sprache« einen aktuellen Blick auf die von Woolf angesprochenen Themen, spürt der Frage nach, wie es Frauen denn heute eigentlich geht im Schreiben, was sich verändert hat und wie sich der Bücherkanon entwickelt hat. Für diesen besonderen Blick auf Literatur und Sprache halten wir kurz inne und erinnern uns an einen denkwürdigen Tag in der Literaturgeschichte: Die von den Nationalsozialisten initiierte Bücherverbrennung am 10. Mai 1933, bei der tausende Werke von jüdischen und anderen unterdrückten Autor:innen öffentlich verbrannt wurden. Wir nehmen diesen Tag zum Anlass, um über die Beziehung von Frauen und Literatur nachzudenken, an einem Ort, der für die Verknüpfung von Literatur, Gesellschaft und Miteinander steht – die Vertriebshallen des Bonifatius Verlags in Paderborn.
Den für »Wege durch das Land« typischen Dreiklang von Ort, Text und Musik wird durch die vielfach ausgezeichneten Jazzund Popmusiker:innen Stephanie Boltz und Christian Wegscheider, komplettiert, die in ihrem Album »FEMALE« teils vergessene Musikstücke von Frauen auf virtuose Weise neu interpretieren. So betreten Heldinnen aus Mittelalter und Klassik, Pionierinnen des Blues, sowie zeitgenössische Songwriterinnen die Bühne.
Daniela Dröscher, Jahrgang 1977, aufgewachsen in Rheinland-Pfalz, lebt in Berlin. Sie schreibt Prosa, Essays und Theatertexte. Studium der Germanistik, Philosophie und Anglistik in Trier und London, Promotion im Fach Medienwissenschaft an der Universität Potsdam zur Poetologie Yōko Tawadas sowie ein Diplom in »Szenischem Schreiben« an der Universität Graz. Ihr Romandebüt »Die Lichter des George Psalmanazar« erschien 2009 im Berlin Verlag, es folgten der Erzählband »Gloria« und der Roman »Pola« sowie das Memoir »Zeige deine Klasse. Die Geschichte meiner sozialen Herkunft« bei Hoffmann & Campe. Sie wurde u.a. mit dem Anna-Seghers-Preis, dem Arbeitsstipendium des Deutschen Literaturfonds sowie dem Robert-Gernhardt-Preis (2017) und einer Residenz in der Villa Kamogawa, Kyoto ausgezeichnet. Ihr autofiktionaler Roman »Lügen über meine Mutter« (Kiepenheuer & Witsch) stand 2022 auf der Shortlist für den Deutschen Buchpreis. 2023 war Daniela Dröscher Writer-in-Residence am Goethe-Institut Reykjavík.
Sie studierte in ihrer Heimatstadt Berlin an der Hochschule der Künste. Ihr erstes Engagement führte Imogen Kogge von 1980 bis 1984 an das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg. 1985 wechselte sie an die Schaubühne am Lehniner Platz in Berlin, wo sie bis 1997 blieb. Weitere Stationen ihres Theaterschaffens waren das Maxim-Gorki-Theater, die Salzburger Festspiele, das Schauspielhaus Zürich, das Württembergische Staatstheater Stuttgart, das Düsseldorfer Schauspielhaus und das Schauspiel Frankfurt. Sie arbeitete mit Regisseuren wie Claus Peymann, Jérôme Savary, Augusto Fernandes, Peter Stein, Klaus Michael Grüber, Andrea Breth, Luc Bondy, Robert Wilson, Werner Düggelin, Christof Nel, Elmar Goerden und vielen mehr zusammen.
In ihrer Zeit als festes Ensemblemitglied am Bochumer Schauspielhaus von 2005 bis 2010 wurde ihr der Bochumer Theaterpreis verliehen. 2017 war Imogen Kogge Jurorin des Alfred-Kerr-Darstellerpreises, der beim Berliner Theatertreffen verliehen wird. Darüber hinaus war und ist Imogen Kogge in zahlreichen Film- und Fernsehproduktionen zu sehen. Zu ihren Kinofilmen zählen u. a. der Berlinale Beitrag 1999 NACHTGESTALTEN (Regie: Andreas Dresen), BARFUSS (Regie: Till Schweiger), WER WENN NICHT WIR (Regie: Andres Veiel), PHOENIX (Regie: Christian Petzold) und OSTWIND 2 (Regie: Katja von Garnier). 2006 erhielt Imogen Kogge für den Film REQUIEM (Regie: Hans-Christian Schmid), der seine Premiere im Wettbewerb der Berlinale 2006 erlebte, den Deutschen Filmpreis. Unter der Regie von Visar Morina drehte Imogen Kogge 2019 EXIL.
Auch im Fernsehen ist Imogen Kogge häufiger Gast. Von 2001 bis 2010 verkörperte sie die Rolle der Kommissarin Johanna Herz in der ARD Reihe POLIZEIRUF 110. Für dessen Folge KLEINE FRAU sie 2006 mit dem Adolf-Grimme-Preis geehrt wurde. Zu Imogen Kogges letzten TV-Produktionen zählen ZARAH, SO WEIT DAS MEER und KEINER SCHIEBT UNS WEG. 2020 war sie in DIE GETRIEBENEN als Angela Merkel zu sehen. Der Film rekonstruiert die Flüchtlingskrise in Europa ab 2015.
Stefanie Boltz ist von der deutschsprachigen Konzertlandschaft nicht mehr wegzudenken. Über Jahre lotete sie die Grenzen des Stimme-Bass-Duos ‚Le Bang Bang‘ mit Sven Faller aus, steht seit 8 Jahren auch unter eigenem Namen als Leaderin und Songwriterin im Rampenlicht. Zudem führt sie eine Konzertagentur und kuratiert eigene Festival-Formate, wie zuletzt als künstlerische Leitung von »Alpenrausch« am Gasteig HP8 in München. Mit Christian Wegscheider gründete sie 2021 »JAZZBABY«, ein ideologie-befreites Projekt zwischen Blues, Kammermusik und Song bzw. Chanson – mit Jazz als großer Klammer. Ihre Musik und versteht sich als eine Plattform für ‚mutige Musik‘. Mut nicht nur für musikalisch Ungewöhnliches, Genre-überwindendes, sondern auch Mut zu viel Gefühl, Ausbruch und Eskapade. 2024 erschien ihr Album »FEMALE« in der sie in Vergessenheit geratene Stücke weiblicher Komponistinnen neu interpretiert.
Stephanie Boltz
Christian Wegscheider / Biografie
Christian Wegscheider beginnt seine Laufbahn als Autodidakt an der väterlichen Heimorgel mit Fuß-Bass und Rhythmusgerät. Später studiert er Jazzklavier an der Kunstuniversität Graz und bekommt das Österreichische Staatsstipendium für Jazz 1993. In den 1990er Jahren lebt er in NYC als freier Musiker und nimmt Privatstudien bei Gary Dial. Zurück in Europa erarbeitet er sich den Ruf als vielgefragter Jazzpianist und nimmt so an zahllosen Produktionen auch als Komponist und Arrangeur teil. Wegscheider arbeitet unter anderem mit dem Jazzorchester Tirol, der Pepe Lienhard Big Band (Udo Jürgens), Willi Resetarits, John Arman, Leroy Emmanuel, Florian Bramböck und veröffentlicht zahlreiche Alben mit seiner Musik. Wegscheider widmet sich auch der intensiven Auseinandersetzung mit Komposition für klassische Ensembles, u.a. mit Auftragskompositionen für das Symphonieorchester Luzern, das Tiroler Symphonieorchester, die Mittelsächsische Philharmonie, und Jazzorchester Tirol. Zudem ist er Lektor für Jazzpiano, Theorie und Jazzgeschichte am Mozarteum Salzburg. Er gibt Fortbildungsveranstaltungen und Jugendworkshops. Für sein Lehrheft »JazzClub« erhielt er 2012 den Preis der deutschen Musikverleger »Best Edition«.
Christian Wegscheider
Ablauf
16:00
- 17:15
Uhr
Lesung
Daniela Dröscher
hält die diesjährige »Rede an die Sprache«
Konzert
Stefanie Boltz und Christian Wegscheider
spielen und singen aus ihrem Album »FEMALE«
17:15
- 18:00
Uhr
Pause
18:00
- 19:15
Uhr
Lesung
Imogen Kogge
liest aus Virginia Woolfs Essay
»Ein Zimmer für sich allein«, sowie aus ausgewählten
Gedichten von Tove Ditlevsen