Die Jugendstilkapelle des Salvatorkollegs ist ein Juwel der Kirchenkunst und in ihrer wunderschönen Bauweise in Norddeutschland einmalig. Wir laden ein, mit uns innezuhalten und einzutauschen in ungarischrumänische Musik und Literatur und einen oft vergessenen Teil der europäischen Geschichte. »Ich will hier nicht sein, heute nicht und an keinem anderen Tag, ich kann mich nicht erinnern, jemals gerne hierhergekommen zu sein.« Jeden Sommer ist Christina in den Bus gestiegen und von Nürnberg nach Termeswar in Rumänien gefahren, um ihre Großmutter Anni zu besuchen, die dort im Sommer die Früchte in ihrem Garten erntet. Als Anni stirbt, erbt Christina das Haus und versinkt, erst zögernd, dann immer tiefer in ihren Erinnerungen. »Das gute Leben« von Nadine Schneider, ein zarter Roman über Mütter und Töchter, über Herkunft, Flucht und Heimweh, erzählt die Lebensgeschichte der Frauen einer Familie über vier Generationen hinweg. Sprachlich so feinsinnig und poetisch, ist der rote Faden doch das Schweigen, dass von Generation zu Generation weitergegeben wird.
Auf der Suche nach Zugehörigkeit und Heimat ist auch der Erzähler in »Die Aussiedlung« des ungarischen Autors András Visky. Grade einmal zwei Jahre ist er alt, als er gemeinsam mit seinen sechs Geschwistern und seiner Mutter Júlia in ein Lager in der rumänischen Bărăgan-Steppe deportiert wird – nachdem die Securitate den Vater, einen dissidentischen Pfarrer, gefoltert, gefangen genommen und zu zweiundzwanzig Jahren Haft verurteilt hatte. In schlaglichtartigen Miniaturkapiteln entsteht ein Mosaik des Lagerlebens, gleich einzelner Erinnerungssplitter. »Ich wusste immer, dass dies das Buch ist, das ich schreiben muss.«, so der Autor selbst. Aus dem Roman lesen wird der Schauspieler Rainer Bock.
Sennu Laine, Wolfram Brandl und Sebastian Krunnies werden unter anderem ein Werk des ungarischen Komponisten Sándor Veress und die Goldbergvariation von Johann Sebastian Bach für Streicher spielen.
Die Künstler:innen
Nadine Schneider / Biografie
Nadine Schneider, geboren 1990 in Nürnberg, stammt aus einer rumäniendeutschen Familie. Sie studierte Musikwissenschaft und Germanistik in Regensburg, Cremona und Berlin. Ihr erster Roman »Drei Kilometer« wurde mehrfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Literaturpreis der Stadt Fulda. 2021 las sie beim Ingeborg-Bachmann-Preis. Im selben Jahr erschien ihr zweiter Roman »Wohin ich immer gehe«. Nadine Schneider lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Nürnberg.
Rainer Bock, geboren 1954 in Kiel, betrieb zunächst ein Café in seiner Heimatstadt, bevor er auf Anregung einiger Gäste aus der lokalen Theaterszene zur Schauspielerei wechselte. Nach dem Besuch einer Schauspielschule erhielt Bock 1982 sein erstes Engagement an den Bühnen der Landeshauptstadt Kiel, gefolgt vom Schleswig-Holsteinischen Landestheater. Nach Stationen in Heidelberg und am Mannheimer Nationaltheater stand er von 1995 bis 2001 mit einem festen Engagement am Stuttgarter Staatstheater auf der Bühne. Ab der Spielzeit 2001/02 bis 2011 war Bock Ensemblemitglied des Bayerischen Staatsschauspiels. Hier stand er in etwa in Tschechows ‹Onkel Wanja› als titelgebender Wanja oder im Shakespeares Stück ‹Maß für Maß› auf der Bühne. Neben seiner Theaterarbeit war Rainer Bock seit 1996 auch in Kino- und Fernsehrollen zu sehen, so etwa in Jo Baiers ‹Stauffenberg› (2004), Anton Corbijns ‹A most wanted Man› (2014) oder der Serie ‹Better call Saul› (2018/19). Für große Aufmerksamkeit sorgte er mit seiner Verkörperung des Dorfarztes in Michael Hanekes vielfach preisgekröntem Drama ‹Das weiße Band› (2009) – eine Darstellung, für die er eine Nominierung für den Deutschen Filmpreis als ‹Bester Nebendarsteller› erhielt. Für seine Hauptrolle in David Nawraths ‹Atlas› (2018) erhielt er 2019 sowohl den Deutschen Schauspielpreis in der Kategorie Schauspieler als auch den Darstellerpreis des Günter-Rohrbach-Filmpreis.
Die finnische Cellistin Sennu Laine begann mit sechs Jahren, bei dem ungarischen Pädagogen Csaba Szilvay Violoncello zu spielen. Sie studierte an der Sibelius Akademie Helsinki bei Prof. Erkki Rautio und am Edsberg Musik Institut in Stockholm bei Prof. Frans Helmerson. 1990 erhielt Laine den 3. Preis beim Turku Nordic Cello Wettbewerb, und 1996 gewann sie den 1. Preis beim Internationalen Musikwettbewerb der ARD in München. 1997 wurde sie als 1. Solo-Cellistin an die Staatskapelle Berlin engagiert und arbeitet dort auch als Mentorin für Violoncello. Sennu Laine war Gast bei renommierten Festivals wie z. B. dem Schleswig-Holstein Musik Festival, dem MDR Musik Sommer, dem Jerusalem Chamber Music Festival und dem Barge Music Festival in New York.
Wolfram Brandl wurde 1975 in Würzburg geboren. Im Alter von acht Jahren erhielt er den ersten Geigenunterricht bei seinem Vater. Zu Schulzeiten hatte er Unterricht bei Prof. Max Speermann in Würzburg und gewann mehrfach 1. Preise bei Wettbewerb ‹Jugend musiziert› auf Bundesebene. Mit Unterstützung der Jürgen-Ponto-Stiftung ging er nach seinem Abitur 1994 nach Berlin, um an der Universität der Künste bei Prof. Uwe-Martin Haiberg zu studieren. Bevor er 2011 1. Konzertmeister der Staatskapelle Berlin unter Daniel Barenboim wurde, war er zehn Jahre lang erster Geiger bei den Berliner Philharmonikern. Neben seiner Tätigkeit als Konzertmeister ist Brandl 1. Geiger des Scharoun Ensembles Berlin, was 1983 von Mitgliedern der Berliner Philharmoniker gegründet wurde. Mit dieser Kammermusikformation gastierte er u. a. in der Carnegie Hall New York, der Wigmore Hall London, im Konzerthaus in Wien, dem Concertgebouw Amsterdam und der Scala in Mailand. So ergaben sich viele künstlerische Impulse aus Begegnungen mit Pierre Boulez, Christoph Penderecki, Heinz Holliger, Thomas Adés, Matthias Pintscher, Brett Dean und Jörg Widmann. Zahlreiche Aufnahmen dokumentieren seine Arbeit und sind mit Preisen wie dem Echo.