Wege durch das Land
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Liebe Sprache

Gut Böckel
08. Mai 2020, 18:00 Uhr

Die ‹Wege durch das Land›-Saison 2020 wird der Autor Thomas Melle mit einer ‹Rede an die Sprache› auf Gut Böckel eröffnen. Melle, der Dramatiker, Übersetzer und Autor von Romanen und Erzählungen gleichermaßen ist, hat 2016 mit seinem Buch ‹Die Welt im Rücken› von seiner manisch-depressiven Krankheit berichtet. Sprachlich so brillant und präzise in der Beschreibung, dass man fast meint, sie körperlich zu spüren. Auch seine Romane ‹3000 Euro› und ‹Sickster› erzählen von Menschen, die aus der Welt geworfen werden, scheinbar fehlerhafte Leben führen und einen Abgrund zwischen sich und der Welt spüren. Wie dem Leben literarisch beizukommen ist, das beleuchtet Thomas Melle in seiner ‹Rede an die Sprache›, die ein Brief an die Sprache werden wird und in der ihre Fallhöhen und Untiefen und Verlogenheiten und Wunder beleuchtet werden.

‹Der Umgang mit Dissonanz ist die Essenz der Musik. Der Missstand ist der Daseinsgrund der Kunst. Ungleichgewicht, seelische Aufgewühltheit und Schmerz sind die Inspirationsquelle für alle Kunst.› So klingt die Liebeserklärung von Berlin Counterpoint an den Fehler. Das Sextett beauftragte zu diesem Thema die 1988 in Hongkong geborene Tonia Ko mit einer Komposition für ‹Wege durch das Land›. Auch bei dem groß angelegten Sextett von Louise Farrenc geht es um den Umgang mit scheinbaren Fehlern. Trotz der grundsätzlichen Heterogenität der Bläserinnen und Bläser führt das Werk den Klang von Mozart und Beethoven fort. Für das Ensemble markiert dieses Werk die Geburt seiner Besetzung, denn es zählt als das erste seiner Art. Mit dem Quintett op. 16 feiert Berlin Counterpoint den 250.¯ Geburtstag Ludwig van Beethovens. Für ‹Wege durch das Land› schreibt Aaron Dan außerdem eine Neukomposition des Präludiums op. 39 Nr. 1, die das Original nie komplett verlässt und weiterhin Beethovens Idee verfolgt, alle Tonarten des Quintenzirkels zu durchwandern.

Auch die US-amerikanische Schriftstellerin Lucia Berlin ist eine Expertin des angeblich fehlerhaften Lebens und Schreibens – und das merkt man ihren Figuren auch an. Berlin, die alleinerziehende Mutter von vier Kindern war und aus deren Werk Johann von Bülow und Barbara Philipp für uns lesen werden, hat zwischen Gelegenheitsjobs und Windeln wechseln einige der sehnsuchtsvollsten und wahrhaftigsten Erzählungen des letzten Jahrhunderts geschrieben. In ihnen erzählt sie von den Höhen und Tiefen des Alltags unterprivilegierter Frauen, die um ein besseres Leben kämpfen. Über ihre schriftstellerische Arbeit sagt sie: ‹Ich übertreibe oft, mache Fehler, verwechsele Fiktion und Realität, aber, ganz ehrlich, ich lüge nie.›

Die Künstlerinnen und Künstler

Thomas Melle

Thomas Melle

Barbara Philipp

Barbara Philipp

Johann von Bülow

Johann von Bülow

Berlin Counterpoint

Berlin Counterpoint

Ablauf
18:00 Uhr
Rede an die Sprache

Thomas Melle

Liebe Sprache

Konzert

Berlin Counterpoint

Philippe Hersant Osterlied (Chant de Pâques)

Louise Farrenc Sextett c-Moll op. 40

ca. 19:30 Uhr
Pause
ca. 20:30 Uhr
Lesung

Johann von Bülow

Barbara Philipp

Lucia Berlin Handbuch für Putzfrauen und andere Erzählungen

Konzert

Berlin Counterpoint

Ludwig van Beethoven Prelude op. 39 Nr. 1  (arrangiert von Aaron Dan für Bläserquintett)

Tonia Ko The Sea as Fallacy (Uraufführung)

Ludwig van Beethoven Quintett für Klavier und Bläser op. 6

ca. 22:00 Uhr
Ende

Gut Böckel


Kuhstall
Rilkestraße 18
32289 Rödinghausen
www.gutboeckel.de
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