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Oh, schöne neue Welt, die solche Bürger trägt

SynFlex Elektro
20. Juni 2020, 13:00 Uhr

Bei dem Blomberger Unternehmen SynFlex Elektro, das Isoliermaterialien für den Bau von Elektromotoren und Transformatoren herstellt, wird das Publikum in der großen Logistikhalle sitzen, die für Kommissionierung und Verladung genutzt wird. Hier wollen wir uns mit dem Thema Mensch <-> Maschine auseinandersetzen und aus dem berühmtesten Roman zum Thema lesen: Aldous Huxleys ‹Schöne neue Welt›. In ihm wird in einer dysto-pischen Zukunft die Fortpflanzung durch ‹Reproduktionsfabriken› gelöst. Ab dem Kindergarten, in dem Babys durch Lärm und Stromschläge konditioniert werden und lernen, Bücher und Blumen zu fürchten, wird die Gesellschaft maschinell überwacht, in Kasten eingeteilt und mit Drogen willensunfähig gemacht. Aus Huxleys Roman, der zu den wirkungsmächtigsten des 20. Jahrhunderts zählt und auch heute noch brandaktuelle Warnung ist, werden Claudia Michelsen und Christian Berkel lesen.

Huxleys Entwurf einer totalitären Welt setzen Elisaveta Blumina und die Mecklenburgische Bläserakademie den Jazz entgegen. Jazz steht für Freiheit! In seiner Entstehungsgeschichte nahm er viele Einflüsse auf, wandelte sich immer wieder und schüttelte alle Einschränkungen ab, um wild und frei und so unvorhersehbar zu werden wie vermutlich keine Musik zuvor. Vielleicht wurde der Jazz deshalb immer wieder von totalitären Regimen gefürchtet und verboten. Er verträgt sich nicht mit Gleichschritt. In ‹Rhapsody in Blue› verband George Gershwin, ein Zeitgenosse Aldous Huxleys, Elemente des Jazz und Blues mit der Klassik, um eine neue, amerikanische Musik zu erschaffen. Auch durch ‹An American in Paris› ziehen sich Ragtime, Blues und Charleston wie ein roter Faden und bringen eine ganze Stadt zum Tanzen. Der Energie und der Begeisterung Gershwins stellt das Programm den zurückgenommenen, introvertierten Ausdruck Gija Kantschelis gegenüber. Der im letzten Jahr verstorbene, georgische Komponist suchte in seinen Werken ‹eine Stille, aus der Musik erwächst und in der die Töne nicht wirklich verstummen.›

Der Autor und Journalist Moritz von Uslar hat im Jahr 2010 drei Monate in der brandenburgischen Kleinstadt Zehdenick verbracht und seine Erlebnisse in der ‹teilnehmenden Beobachtung› ‹Deutschboden› niedergeschrieben. Aus dem äußerst erfolgreichen Buch wurde später auch ein Dokumentarfilm und nun, zehn Jahre später, kehrt von Uslar zurück und trifft noch einmal auf das Urgestein Blocky, den Kneipenmann Heiko Schröder, die tätowierten Punks Raul und Eric und macht neue Bekanntschaften. ‹Nochmal Deutschboden› beschreibt Deutschland im Frühling und Sommer 2019, als die AfD im Osten zur Volkspartei wird. Von Uslar sitzt wieder in illegalen Kneipen, in Wohnzimmern und in Getränkemärkten. Er notiert mit oder lässt das Aufnahmegerät laufen und merkt, dass sich der Ton zwischen den Bewohnerinnen und Bewohnern verschärft hat und prophezeit: ‹Haut rein. Wird nicht nur lustig diesmal›.

Die Künstlerinnen und Künstler

Moritz von Uslar

Moritz von Uslar

Claudia Michelsen

Claudia Michelsen

Christian Berkel

Christian Berkel

Elisaveta Blumina

Elisaveta Blumina

Mecklenburgische Bläserakademie

Mecklenburgische Bläserakademie

Gregor Witt

Gregor Witt

Ablauf
13:00 Uhr
Lesung

Moritz von Uslar

Nochmal Deutschboden

Konzert

Elisaveta Blumina
Klavier
Mecklenburgische Bläserakademie
Gregor Witt
Leitung

Friedrich Gulda Jazz-Etüde Nr. 9 und Rondo Unsquare (bearbeitet von Frank Raschke)
George Gershwin An American in Paris

ca. 14:30 Uhr
Pause
ca. 15:30 Uhr
Lesung

Claudia Michelsen
Christian Berkel

Aldous Huxley Schöne neue Welt

Konzert

Elisaveta Blumina
Klavier
Mecklenburgische Bläserakademie
Gregor Witt
Leitung

Gija Kantscheli Calando, Lontano, molto rubato, Pastoso, Quasi recitando, Disinvolto, Con eleganza, Luminoso, Dolcissimo, Sostenuto, Quasi ragtime
Yuri Povolotsky Lonely Star in the Night Sky
Yuri Povolotsky A sentimental Waltz
Aaron Copland The Cat and the Mouse
George Gershwin Rhapsody in Blue

ca. 17:00 Uhr
Ende

SynFlex Elektro


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