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Vor uns dehnte sich die Ebene …

Ramselhof
05. Juli 2020, 13:00 Uhr

Eine literarisch-musikalische Radtour durch die Senne

Am Rand des Teutoburger Waldes erstreckt sich über 350 Quadratkilometer eine außergewöhnliche – teilweise unter Naturschutz stehende – Landschaft: die Senne. Geprägt durch Heidelandschaften und Kiefernwälder galt die Region über viele Jahrhunderte als Wüste in der Mitte Europas. Der frühsozialistische Schriftsteller Georg Weerth machte das entbehrungsreiche und kärgliche Leben der ‹Armen in der Senne› Mitte des 19. Jahrhunderts weit über westfälische Grenzen hinaus bekannt. Nur 50 Jahre später löste Hermann Löns mit seinen Landschaftsschilderungen aus der Senne dann einen wahren Tourismusboom aus. Wiebke Puls, eine ‹in allen Facetten strahlende› Schauspielerin wie es in der Jurybegründung zur Verleihung des 3sat-Preises auf dem 55. Berliner Theatertreffen hieß, bringt in ihrer Lesung Schönheit und Ödnis der Senne zu Gehör.

Gegen Wind und Steigung in karger Landschaft kämpft auch Henning in Juli Zehs Roman ‹Neujahr›. Schauspieler Wanja Mues liest von einem, der das Fahrradfahren eigentlich liebt, jetzt aber in die Pedale seines Fahrrads tritt, bis ihm die Muskeln versagen, bis sie zittern und krampfen. Doch ganz gleich wie sehr Henning sich während des steilen Anstiegs nach Femés auf Lanzarote schindet, sich selbst entkommt er nicht. ‹Er beginnt, stumm im Takt der Tritte zu skandieren: Scheiß-Job, Scheiß-ES, Scheiß-Welt.› Juli Zehs Roman, den die Süddeutsche Zeitung als ihr vielleicht bestes Buch bezeichnete, kreist um eine Figur, die in der deutschsprachigen Literatur noch recht ungewöhnlich ist, um den überforderten Vater.

In den Konzerten unter freiem Himmel stehen sich leichte und malerische Melodien und ernste, bisweilen herausfordernde Stücke gegenüber. Fabiana Striffler auf der Violine und David Hagen am Bass loten in ihren Improvisationen – gezupft, gestrichen oder geklopft – die Klangwelten ihrer Instrumente aus. Mal wird es wild überbordend, mal schwebend melancholisch, dann wieder geräuschvoll und rhythmisch. Der junge Klarinettist Jakob Plag spielt Kompositionen aus dem 20. und 21. Jahrhundert, darunter Werke von Igor Strawinsky und Krzysztof Penderecki, und zeigt die stilistische Vielseitigkeit seines Instruments: Akzente hier, ein Pianissimo, ein subito Fortissimo dort, dann Stille. So entstehen wundersam nachhallende Klangcollagen, die die umliegende Landschaft mit Violine, Bass und Klarinette neu interpretieren.

Die rund 33 Kilometer lange und überwiegend flache Tour führt durch die Untere Senne, vorbei am Ramselbruch und der Heidschnuckenschäferei Senne, von Lesung zu Lesung und von Konzert zu Konzert. Ausgangs- und Zielpunkt ist der Ramselhof in Hövelhof, bei Dauerregen finden hier alle Lesungen und Konzerte statt.

Die Künstlerinnen und Künstler

Wiebke Puls

Wiebke Puls

Wanja Mues

Wanja Mues

Fabiana Striffler

Fabiana Striffler

David Hagen

David Hagen

Jakob Plag

Jakob Plag

Ablauf
Ramselhof
13:00 Uhr
Lesung

Wanja Mues

Juli Zeh Neujahr

RADTOUR
Konzert

Fabiana Striffler 
Violine
David Hagen
Bass

The Melodists
Jazz, Improvisations, Originals and Music of the 20th Century

HEIDSCHNUCKENSCHÄFEREI
ca. 15:15 Uhr
Pause
ca. 16:00 Uhr
Lesung

Wiebke Puls

Georg Weerth Die Armen in der Senne
Hermann Löns Frau Einsamkeit (u. a.)

RADTOUR
Konzert

Jakob Plag
Klarinette

Krzysztof Penderecki Prelude für Klarinette solo
Ilse Fromm-Michaels Stimmungen eines Fauns für Klarinette solo op. 11
Igor Strawinsky Drei Stücke für Klarinette solo
Béla Kovács Hommage à Manuel de Falla

RAMSELHOF
ca. 18:30 Uhr
Ende

Ramselhof


Ramselstraße 17
33161 Hövelhof
www.derramselhof.de
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